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Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!

[Porträt 20 – Anne Jacquemet-Gauché, Professorin für öffentliches Recht]

Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/anne-jacquemet-gauch%C3%A9

Anne Jacquemet-Gauché ist Professorin für öffentliches Recht an der Université Clermont Auvergne beim Centre Michel de l’Hospital und Junior-Mitglied des Institut Universitaire de France. Ihre Forschungsarbeit beschäftigt sich unter anderem mit dem französischen und deutschen Verwaltungsrecht und insbesondere mit den Unterschieden in der Rechtskultur zwischen den beiden Staaten. Sie interessiert sich für Fragen der Gleichberechtigung und legt großen Wert auf Vielfalt und die Freiheit jedes Einzelnen, seinen Lebensstil selbst zu wählen.

Die Professorin liebt Paradoxe: Auch wenn in ihrem Leben alles „nach Plan laufen“ soll, liebt sie gerade die kleinen und großen Umwege. Sie genießt die Freiheit, die ihr ihr Beruf bietet, ab und zu einen Schritt zur Seite zu machen (zumindest in ihren Träumen), eine Ausstellung zu besuchen oder wandern zu gehen. Meistens holt sie jedoch in aller Eile nach Schulschluss ihre drei hungrigen Racker ab, bevor sie den ganzen Abend wieder weiterarbeitet.

Auch in ihrer Forschung pflegt sie diese Vielfalt und wechselt gerne zwischen ihren beiden Lieblingsgebieten, dem Verwaltungshaftungsrecht und der Rechtsvergleichung. Derzeit interessiert sie sich für kulturelle Unterschiede und Identitätsfragen. Anstatt sich für theoretische Gender-Diskurse zu interessieren, wendet sie sich dem konkreten Rechtssystem in Deutschland zu, genauer gesagt dem deutschen Verwaltungsrecht. „Das Wissen und Bewusstsein um Unterschiede verhindert Missverständnisse und trägt dazu bei, die Grundlagen für eine fruchtbare Verständigung zwischen den Völkern zu schaffen, insbesondere mit unseren deutschen Nachbarn, die uns so nah und doch so fern sind“, meint sie. Sie bemüht sich, die institutionellen, historischen und sozialen Besonderheiten hervorzuheben, die die beiden Rechtssysteme prägen und jedem von ihnen ein eigenes Profil verleihen.

Mitunter bietet sich die Gelegenheit, zu Kolloquien und Forschungsaufenthalten ins Ausland zu reisen. Diese Reisen sind für sie immer eine Bereicherung, sowohl in wissenschaftlicher als auch in menschlicher Hinsicht. Sie kann heiter und in aller Gelassenheit reisen, weil ihr Mann einspringt.

Anne Jacquemet-Gauché lobt das Engagement der Menschen, die sich für die Förderung der Gleichstellung einsetzen. Sie selbst hatte an der Universität inspirierende Vorbilder – allen voran die Betreuerin ihrer Doktorarbeit –, die sehr selbstbewusst zu ihrer Weiblichkeit und sogar zu ihrer Mutterschaft standen. Ihre Kolleginnen und sogar ihre Kollegen haben sie immer wieder unterstützt und wissen sie zu motivieren, vor allem in Zeiten des Zweifels oder der Müdigkeit. Gemeinsam unterhalten sie sich gerne – in regelmäßigen Abständen und immer mit Humor – über vorübergehende Schwierigkeiten oder Hindernisse, die es zu überwinden gilt: „Prüfungen in der Entbindungsstation korrigieren? Aber selbstverständlich!“. Nachdem ihr so viel wiedergegeben wurde, liebt sie es, ihr Wissen weiterzugeben und zu teilen.

Aufgrund ihrer sportlichen Veranlagung sammelte sie ihre ersten Lehrerfahrungen auf Skiern und später auf einem Windsurfbrett. Heute unterrichtet sie zwar in einem Hörsaal, doch ihr Engagement ist unverändert geblieben. Sie glaubt an die kollektive Arbeit in einem Bereich, in dem Forschung eher gemeinschaftlich als individuell betrieben wird und die Laborarbeit manchmal virtuell ist. Sie unterstützt ihrerseits junge Frauen (Studentinnen, Doktorandinnen, Kolleginnen), damit sie lernen, ihre Lebensentscheidungen selbst zu treffen, ohne dass ihnen diese aufgezwungen werden: Kinder haben oder nicht; sich in ihrem eigenen Tempo in ihre Karriere investieren und vorankommen, ohne sich zu verausgaben; bestimmte Anfragen ohne Angst vor den Konsequenzen ablehnen. Kurz gesagt: dass jede Frau frei ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sogar eXXistentiELLE Entscheidungen!

Bildnachweis: Vincent Moncorgé

Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.

Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 05/03/2026