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Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français in München vom 18. März bis zum 10. April 2026!

[Porträt 1 – Clémence Perronnet, Soziologin]

Um das Porträt auf Französisch zu lesen : https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/cl%C3%A9mence-perronnet

Clémence Perronnet ist Forscherin im Fachbereich Soziologie beim Centre Max Weber. Sie wuchs mit ihren Eltern, zwei Grundschullehrern, in Champigny-sur-Marne auf, wo sie ihr Abitur mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt ablegte. Anschließend absolvierte sie eine geisteswissenschaftlich ausgelegte Classe Préparatoire und studierte Literaturwissenschaft an der École Normale Supérieure (ENS) in Lyon. Entscheidend für ihre Hinwendung zur Soziologie war die Begegnung mit einer „großartigen Professorin, die Kurse über Mangas gab: Warum lesen junge Leute sie? Und welche Mangas lesen sie?

„Sag mir, was du hörst, was du liest und was du spielst, und ich sage dir, wer du bist.“

Die Soziologie beschäftigt sich mit der kritischen Beobachtung der Gesellschaft und versucht, zu erklären und zu verstehen, warum Dinge auf eine bestimmte Weise und nicht auf eine andere geschehen. Soziolog*innen forschen also zum Beispiel über Streitkräfte, die Familie, über Migration usw. Clémence Perronnet befasst sich mit Kultursoziologie: Sie interessiert sich dafür, was die Menschen gerne lesen oder was sie gerne im Fernsehen schauen, was sie gerne unternehmen, wenn sie ausgehen, welche Spiele sie gerne spielen, was sie gerne essen und wie sie sich gerne kleiden.

Kürzlich hat Clémence Perronnet ihre Doktorarbeit zum Thema „Wissenschaftskultur von Kindern aus der Arbeiterklasse: Fallstudie zur sozialen Konstruktion des Interesses, der Praktiken und der Darstellung der Wissenschaft“ beendet. Die fünf Forschungsjahre am Centre Max Weber (CMW, ENS de Lyon / Lyon 2 / UJM / CNRS) waren von einigen simplen Fragestellungen geleitet: Warum finden manche von uns Gefallen der Wissenschaft und andere nicht? Warum gibt es so wenige Frauen in der Wissenschaft? Warum stammen so wenige Wissenschaftler*innen aus der Arbeiterklasse? Woran hakt es?

Um das zu verstehen, muss man sich zuerst mit der Bildungssoziologie befassen, also mit all dem, was in der Schule, zuvor im Kindergarten und danach an der Universität oder Ausbildungsstätte geschieht. Dazu gehört auch die Analyse der Wissenschaftskultur, also all dessen, was man liest, was man sagt, was man anschaut oder anhört und was mit Wissenschaft zu tun hat. Fragen zu stellen ist die Berufsbasis von Soziolog*innen, überall mit all den Menschen zu sprechen, die man sonst nie treffen würde. „Es ist sehr spannend, das Verhältnis zur Wissenschaft in der Schule zu untersuchen, Klassenzimmer, Hörsäle und Korridore zu durchstreifen und dabei ständig nach dem Warum? zu fragen.“

„In der Wissenschaft gibt es wirklich tolle Berufe, in allen Bereichen. Für ein Umdenken müssen wir alle, Frauen und Männer, zusammenarbeiten. Für mehr Frauen in der Wissenschaft müssen wir nicht die Frauen ändern, sondern die Art, wie Wissenschaft gemacht wird.“

Ihr Fachbereich in wenigen Worten:

Clémence Perronnets Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Entstehung der verschiedenen Verhältnisse zur Wissenschaft, d.h. mit den gesellschaftlichen Prozessen und materiellen und symbolischen Bedingungen der Konstruktion des Interesses bzw. Desinteresses für die Wissenschaft, der Annahme oder der Ablehnung von wissenschaftlicher Praxis, Studiengängen und Karrieren. Sie betrachtet die Wissenschaft nicht nur als einen Wissenskorpus, sondern auch als eine materielle Kultur, die sich in Museen, Spielen, Aktivitäten oder schriftlichen und audiovisuellen Produktionen entfaltet, als „Wissenschaftskultur“.

Ein großes Dankeschön an die Übersetzer der französischen Botschaft in Deutschland für ihre Arbeit. Übersetzung: Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.