Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!
[Porträt 4 – Delphine Virte, Testingenieurin auf Instandhaltungsbaustellen]
Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.cnrs.fr/fr/personne/delphine-virte
Delphine Virte ist Testingenieurin auf Instandhaltungsbaustellen bei Framatome (früher Areva). Sie stammt ursprünglich aus Nancy und absolvierte ein Ingenieurstudium mit Schwerpunkt Hydraulik und Fluidmechanik in Toulouse. Nach mehreren Praktika in der Automobil‑ und Luftfahrtindustrie trat sie noch vor ihrem Abschluss ihre erste Stelle im Unternehmen an, das damals noch Areva hieß.
Durch ihr wissenschaftliches Interesse und ihre Leidenschaft für Experimente und Laborarbeiten hatte Delphine schon auf dem Collège eine ungefähre Vorstellung für ihre Zukunft, doch sie hätte nie vermutet, dass sie eines Tages für Tests auf Baustellen während der Stillstandszeiten – oder auch der Bauphase – von Kernkraftwerken zuständig sein würde.
2011 entschied Delphine Virte innerhalb von 24 Stunden, nach Finnland zu gehen und ihren Computer und Schreibtisch in La Défense gegen einen Baustellenhelm und Sicherheitsschuhe einzutauschen, um auf dem Gelände des Kernkraftwerks Olkiluoto am Bau eines EPR mitzuwirken. „Ich habe mich auf den ersten Blick in die Welt der Baustellen verliebt“, gibt sie zu. Auf die drei Jahre Baustellenarbeit in Finnland folgten zahlreiche weitere. „Wenn heutzutage ein Kernkraftwerk vom Netz genommen wird, um es mit neuen Brennelementen zu beladen, werden bestimmte Änderungen und Verbesserungen vorgenommen. Nach diesen Änderungen und den damit einhergehenden Arbeiten komme ich ins Spiel, um die Durchführung der Tests im Zuge des Wiederhochfahrens des Kraftwerks zu steuern, die einige Wochen bis hin zu mehreren Monaten in Anspruch nehmen können.“
Diese sehr fordernde Arbeit lässt ihr dennoch ein wenig Freiraum, um auf der Position einer Dritte-Reihe-Stürmerin Rugby zu spielen und sich im Verein Femmes Ingénieurs zu engagieren, mit dem sie Lycées und Collèges besucht, um ihren Beruf und die möglichen berufsqualifizierenden Studiengänge vorzustellen und zu erläutern. Bei diesen Besuchen werden ihr häufig Fragen zu ihrem Leben als Ingenieurin und zur Kernkraft gestellt. „Auf den Baustellen gibt es nicht wenige Frauen, mehr als ich gedacht hatte. Ich hatte einige Vorurteile über das Umfeld, wurde aber sehr gut aufgenommen. Hier ist alles greifbarer und läuft schneller ab, man kann nicht bei der Arbeitsqualität schummeln und unterstützt sich gegenseitig, ohne zwischen Mann und Frau zu unterscheiden.“
Wenn man Delphine Virte nach Ratschlägen für den Einstieg in wissenschaftliche Berufe fragt, antwortet sie begeistert: „Man sollte nicht zögern, ins Internet zu schauen, das jungen Frauen großartige Inhalte bietet, um Role Models zu finden. Das ist viel wert, wenn man in seinem Umfeld keine hat. Und wenn ihr eines Tages als Erste eine Nische besetzt, umso besser: Dann könnt ihr andere inspirieren. In Wissenschaft und Technik zu arbeiten bedeutet, die Gewissheit zu haben, dass man seinen Beruf problemlos an seine Lebensentscheidungen anpassen kann.“
Ihr Fachbereich in wenigen Worten:
Delphine Virte, die seit 2011 Testingenieurin ist, zieht es stets an praktische Einsatzorte. Sie reist von Baustelle zu Baustelle, sei es für die Inbetriebnahme des EPR-Reaktors in Finnland oder Instandhaltungsmaßnahmen an französischen Kernkraftwerken. Bei jedem Einsatz gewährleistet sie die Koordinierung und Durchführung der Tests an der Instrumentierung und den Fluidsystemen des Dampferzeugers, indem sie die Testteams anleitet und als Bindeglied zu den Arbeiten fungiert.
Bildnachweis: Vincent Moncorgé
Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.
Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 04/03/2026
