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Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!

[Porträt 12 – Elisa Demuru, Primatologin, Verhaltensforscherin]

Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/elisa-demuru

Elisa Demuru ist Postdoktorandin am CNRS im Laboratoire Dynamique Du Langage (DDL, Lyon 2/CNRS) in Zusammenarbeit mit der Équipe de Neuro-Éthologie Sensorielle (ENES/Neuro-PSI, UJM Saint-Étienne/CNRS). Sie stammt aus dem Piemont und absolvierte ein Studium der Bio‑ und Geowissenschaften an der Universität Turin. In Parma erlangte sie einen Master-Abschluss und anschließend einen Doktorgrad in Verhaltensbiologie. Nach einer Tätigkeit im Naturkundemuseum der Universität Pisa startete sie in Frankreich ihr Postdoc-Projekt, das die soziale Erfahrung in den ersten Lebensjahren und die Entwicklung von kommunikativen Fähigkeiten bei Bonobos untersucht.

Bei den Bonobos kann jeder über Geschlechtsverkehr kommunizieren – ob zwischen Männchen und Weibchen, zwischen Männchen, zwischen Weibchen, zwischen alten oder zwischen jungen Tieren –, um Spannungen zu lösen, aber auch in anderen Zusammenhängen: „Für sie ist es kein Tabu, es geht nicht um Fortpflanzung. Selbst bei den Jungtieren, die untereinander spielen, ist dieser sexuelle Hintergrund immer präsent“, erklärt Elisa Demuru lächelnd. Ihre Soziosexualität, ein Alleinstellungsmerkmal im Tierreich, ist in der Regel das Einzige, was man von diesen dem Menschen so nahestehenden Primaten im Gedächtnis behält. „Es kommt schon zu Konflikten“, betont Elisa Demuru. „Sie bilden keine friedliche Gesellschaft, sondern sind auch zu kämpfen imstande.“ Bis in die 30er Jahre hatte man Bonobos nicht als eigene Art erkannt, sondern mit Schimpansen gleichgesetzt. Anatomische Untersuchungen des Skeletts, die in einem Museum in Belgien durchgeführt wurden, offenbarten bedeutende Unterschiede.

Seit nunmehr zehn Jahren beobachtet Elisa Demuru, eine begeisterte Spezialistin für Bonobos, die Tiere in verschiedenen Tierparks Europas, darunter La Vallée des Singes unweit von Poitiers, oder in der Schutzstation Lola ya Bonobo in der Demokratischen Republik Kongo, wo sie beheimatet sind. Sie arbeitet daran, die verschiedenen Aspekte ihres Soziallebens und ihre Art der Kommunikation zu verstehen. Manchmal verbringt sie ganze Tage mit der Kamera im Anschlag vor Ort, um Daten zu sammeln, die sie später im Labor auswertet.

Warum gerade Bonobos als Forschungsgegenstand? „Mit acht Jahren habe ich ein Buch über die Evolution des Menschen gefunden und immer wieder gelesen. Da habe ich mir gesagt, dass ich später, wenn ich groß bin, Wissenschaftlerin werde und Forschungen betreibe, um zu verstehen, warum wir zu dem wurden, was wir sind“, erzählt sie.

Der Vergleich zwischen dem Tier Mensch und den anderen Primaten ist von grundlegender Bedeutung, um diese Frage zu beantworten. Dazu muss das Verhalten von Männern und Frauen und auch von Menschenaffen untersucht werden. „Wir sehen uns so, als wären wir vom Himmel gefallene Engel, dabei sind wir nur aufrecht gehende Affen, wie der berühmte Zoologe Desmond Morris einst sagte.“ Ist die Primatologie ein leicht zugängliches Gebiet für Frauen? „Wenn man an Primatologinnen denkt, hat man sofort drei berühmte Frauen vor Augen: Jane Goodall, Dian Fossey und Birutė Galdikas. In Wirklichkeit stößt man leider schnell auf das Phänomen der gläsernen Decke“, meint Elisa Demuru. Und fügt lachend hinzu: „Vielleicht sollten wir etwas von den Bonobos lernen: Bei ihnen sind es die Weibchen, die durch gegenseitige Hilfe dominieren!“

Ihr Fachbereich in wenigen Worten:

Die Verhaltensforschung ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Verhalten von Tieren befasst. Die von Elisa Demuru untersuchte Art ist der Bonobo. Ziel ihrer Forschungen ist es, zu verstehen, wie die Bonobos – diese Art, die dem Menschen evolutionär am nächsten ist – ihre Absichten und Emotionen im Kontext des sozialen Spiels kommunizieren. Die Auswertung der Video‑ und Tonaufnahmen, die sie über mehrere Monate hinweg macht, ermöglicht es ihr, die Gesten, Gesichtsausdrücke und Lautäußerungen, die die Bonobos im Rahmen einer spielerischen Interaktion benutzen, detailliert zu beschreiben und so den Zusammenhängen zwischen der Kommunikation von Tier und Mensch auf den Grund zu gehen.

Bildnachweis: Vincent Moncorgé

Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.

Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 05/03/2026