Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!
[Porträt 5 – Jenny Sorce, Kosmologin]
Um das Porträt auf Französisch zu lesen : https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/jenny-sorce
Jenny Sorce ist seit 2018 Postdoktorandin des Centre National d’Études Spaciales (CNES) am Centre de recherche astrophysique de Lyon (CRAL, ENS de Lyon / Lyon 1 / CNRS), wo sie die Forschungen weiterführt, die sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit begonnen und als Postdoc in Potsdam und Straßburg fortgesetzt hat. Ihr Forschungsbereich ist die Kosmologie, also das Verständnis von Entstehung und Entwicklung des Universums.
„Da wir das Universum nicht auf einem Labortisch mitnehmen können, um es zu untersuchen, ermöglichen es uns Supercomputer, Teile davon zu modellieren.“
Die Forschungstätigkeiten von Jenny Sorce bestehen darin, unseren „Winkel“ des Universums von seinen Anfängen vor rund 13,8 Milliarden Jahren bis zur heutigen Zeit zu modellieren, um seine Entstehung und Entwicklung zu verstehen. Was sie unseren „Winkel“ des Universums nennt, hat die bescheidenen Ausmaße von 10.000 Milliarden Milliarden Kilometern, ein winziger Teil eines unendlichen Universums, der jedoch Milliarden von Galaxien beherbergt.
Im Universum sind die Galaxien ein wenig wie ein Spinnennetz angeordnet: Es gibt Filamente voller Galaxien und Leerräume, die nahezu frei von ihnen sind. Dieses kosmische Netz zu untersuchen ist keine leichte Aufgabe, wenn nur 5 % des Universums aus sichtbarer Materie bestehen. Die Beschaffenheit der restlichen 95 % bleibt bisher ein Rätsel. Um zu verstehen, wie sie beschaffen sind, muss man ihre Wirkung und Rolle bei der Entstehung des beobachtbaren kosmischen Netzes untersuchen. Damit ein direkter Vergleich der Modelle mit den detaillierten lokalen Beobachtungen ohne umweltbedingte Verzerrungen möglich ist, hat Jenny Sorce neue digitale Simulationen entwickelt, die „gezwungen“ werden, unserem „Winkel“ des Universums zu ähneln. Dieser wird durch einen würfelförmigen Kasten dargestellt, gefüllt mit Materiepartikeln, die sich gemäß den Gesetzen der Physik bewegen. Die Parameter ihrer würfelförmigen Kästen stellt sie mit Hilfe der mathematischen Algorithmen und der Beobachtungen ein, an denen sie zur Abbildung des lokalen beobachtbaren Universums mitgearbeitet hat. Mit ihren Kästen kann sie auch den Einfluss unserer lokalen Umwelt auf die Gesamtmessungen herleiten, die wir durch Beobachtung der weiter entfernten Teile des Universums erhalten …
Um ihre vielversprechenden Forschungen fortzusetzen, erhielt sie zunächst ein Postdoc-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung und anschließend ein weiteres Stipendium des Centre National d’Études Spatiales (CNES). Für ihre wegweisenden Arbeiten wurde sie 2016 mit dem Forschungspreis Jeune Chercheur de la ville de Lyon ausgezeichnet. 2017 war sie zudem Stipendiatin des Programms L’Oréal-UNESCO Pour les Femmes et la Science.
Jenny Sorce, die aus bescheidenen Verhältnissen stammt, ist besorgt über die geringe Zahl von Frauen in der Wissenschaft und die soziale Selbstzensur. Als Reaktion darauf engagiert sie sich intensiv für die Verbreitung der Wissenschaften auf allen Ebenen.
Ihr Fachbereich in wenigen Worten:
Jenny Sorce führt kosmologische Simulationen durch, bei denen durch Zwangsbedingungen unsere kosmische Umwelt abgebildet und so eine genaue Präzisionskosmologie entwickelt wird. Indem sie die großen Strukturen des lokalen Universums bis zur Ebene der Galaxienhaufen mit Genauigkeit simuliert, überwindet sie die durch die Besonderheiten unserer Umwelt bedingten Verzerrungen. So vergleicht sie das, was vergleichbar ist, in kleinen Maßstäben, kann die lokalen Messungen kosmologischer Parameter von den Auswirkungen unserer kosmischen Nachbarschaft bereinigen und Karten zum Abschirmungseffekt unserer Umwelt auf Fernbeobachtungen erstellen.
Bildnachweis: Vincent Moncorgé
Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.
Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 04/03/2026
