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Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!

[Porträt 17 – Nadia Hasnaoui, Ingenieurin, technische Leiterin]

Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/nadia-hasnaoui

Nadia Hasnaoui ist Ingenieurin und technische Leiterin am CERDA – einem Testlabor für Hochspannungsschalter – auf dem Gelände von General Electric in Villeurbanne. Nach ihrem Abitur mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt begann sie ein Studium an der Ingenieurhochschule INSA Lyon und schloss es als Ingénieur en génie mécanique et conception (Ingenieur für Maschinenbau und Entwicklung) ab.

Mit ihrem wissenschaftlichen Talent und besonderen Interesse an Mechanik wendete sich Nadia Hasnaoui ein wenig aus Provokation dem Bereich Maschinenbau und Entwicklung zu. Heute ist sie technische Leiterin und Qualitätsmanagerin eines Testlabors, das auf Hochspannungsschalter spezialisiert ist. Bevor sie diese Stelle antrat, war sie Berechnungsingenieurin und anschließend technische Projektleiterin. Ihre Arbeit bestand darin, Berechnungen im Bereich der Multiphysik-Simulation (elektrische, mechanische und magnetische Simulation) durchzuführen, die jeder Entwicklung von neuen Anlagen wie Hochspannungsschaltern vorangehen.

Nadia Hasnaoui ist in einem Umfeld tätig, in dem man sich mit umfangreichen und vielfältigen Themen befasst: vom Werkstoffbereich über Festkörper‑ und Fluidmechanik bis hin zu Elektromagnetismus – sie interessiert sich für alles. „Das ist anregend für den Geist. Man neigt dazu, zu glauben, dass Mädchen eine Veranlagung für bestimmte Bereiche haben, doch das sind Vorurteile. Wichtig ist, sich selbst keine Grenzen zu setzen“, sagt sie.

Die Ingenieurin ist hochengagiert und voller Leidenschaft für ihren Beruf, die Entwicklung unter Hoch- und Höchstspannung, d. h. 145.000, 250.000 oder sogar 800.000 Volt, und erzählt begeistert: „Die Dimensionierung unserer Anlagen erfolgt auf Grundlage der digitalen Simulation der Lösungen, die beim Brainstorming im Team erarbeitet wurden. Ein paar Ideen wählen wir vor der Herstellung des Prototyps in der Werkstatt aus, dann folgen die Leistungstests zu Untersuchungszwecken und schließlich die Freigaben.“ Dieser Prozess kann zwischen einem und drei Jahren für ein einziges Projekt dauern. „Man langweilt sich nie. Das ist angewandte Forschung. Die Produkte, die wir entwickeln, sind ziemlich komplex, was es ermöglicht, mit allem in Berührung zu kommen und ausgehend von verschiedenen Disziplinen zu lernen.“ Auf die Frage, was der bereicherndste Aspekt des Ingenieurberufs sei, meint sie: „Die Interaktion mit der Welt der Werkstatt ist sehr lehrreich. Die Arbeiter verfügen über große Expertise beim Verständnis neuer und innovativer Entwicklungen, bei der Montage und bei der Lösung praktischer Probleme.“ Sie fügt hinzu: „Wenn ich jungen Gymnasiastinnen und Studentinnen einen Rat geben müsste, würde ich ihnen sagen, dass sie neugierig sein und ihren Bestrebungen folgen sollen. Die Welt von heute ist voller Herausforderungen, und jede und jeder Einzelne wird gebraucht, in allen Bereichen.“

Ihr Fachbereich in wenigen Worten:

Um die unabdingbare Zuverlässigkeit, Effizienz und Sicherheit des Stromnetzes zu gewährleisten, sind komplexe Umspannwerke mit elektrischen Hochspannungskomponenten auf das gesamte Netz verteilt. Diese Umspannwerke sollen die elektrische Energie verteilen, das Netz schützen und Spannungen absorbieren, die das ursprünglich vorgesehene Maß überschreiten. Das Testlabor CERDA testet die Anlagen dank einer umfassenden Expertise in dem Bereich und mit Hilfe entsprechend dimensionierter Testanlagen. Die Testergebnisse ermöglichen es, die Hochspannungsschalter zu entwickeln und zu verbessern und ihre Leistungsfähigkeit zu bescheinigen. Die Rolle des technischen Dienstes, den Nadia Hasnaoui leitet, besteht darin, die Durchführung dieser Leistungstests an Hochspannungsanlagen vorzubereiten und zu überwachen. Sein Aufgabenbereich umfasst sämtliche Schritte, die von der Machbarkeitsstudie über die Einrichtung komplexer Testschaltkreise und die Steuerung innovativer Testprotokolle bis hin zur Erstellung von Konformitätsberichten in Übereinstimmung mit den internationalen Standards notwendig sind.

Bildnachweis: Vincent Moncorgé

Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.

Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 05/03/2026