Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!
[Porträt 13 – Roxane Jouseau, Doktorandin der Informatik]
Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/roxane-jouseau
Roxane Jouseau promoviert in Informatik am Laboratoire d’Informatique, de Modélisation et d’Optimisation des Systèmes sowie bei der Firma Agaetis. Für die künstlerisch veranlagte Forscherin ist die Informatik die ideale Möglichkeit, wissenschaftliche Präzision und Kreativität miteinander zu verbinden.
Mit ihren bunten Haaren und selbstgenähten Kleidern entspricht Roxane Jouseau nicht wirklich dem Stereotyp einer Informatikerin.
Schon im Gymnasium schwankte die junge Frau zwischen Kunst und Naturwissenschaften. Als gute Schülerin wird sie auf ein Abitur mit naturwissenschaftlichem Profil und anschließend auf eine Classe préparatoire mit Schwerpunkt Mathematik und Physik hingewiesen. Dennoch wollte sie ihre kreative Ader nicht aufgeben. Glücklicherweise entdeckte sie in der Classe préparatoire ein Fachgebiet, das ihre beiden Leidenschaften vereint: die Informatik. Daraufhin studierte sie am Institut Supérieur d’Informatique, de Modélisation et de leurs Applications (Institut für Informatik, Modellierung und deren Anwendungen), das der Ingenieurhochschule Clermont Auvergne INP angegliedert ist. Diese bot ihr die Möglichkeit, ein sechsmonatiges Praktikum am National Institute of Informatics in Tokio zu absolvieren. Dort lernte sie die Welt der Forschung kennen, die sie seitdem nicht mehr losgelassen hat.
Um die Verbindung zur Praxis nicht zu verlieren, entschied sich Roxane Jouseau dafür, im Rahmen des Cifre-Programms in einem Unternehmen zu promovieren. Ihr Forschungsthema: die Beurteilung der Qualität der Daten, die zum Trainieren von Algorithmen der künstlichen Intelligenz verwendet werden. Die Doktorandin erklärt: „In der KI sind Daten so etwas wie das Fundament eines Gebäudes. Wenn das Gebäude einmal steht, sieht man sie nicht – aber wenn sie nicht von guter Qualität sind, ist das Gebäude instabil, kann schief stehen oder sogar einstürzen!“ Eine mit fehlerhaften Daten trainierte KI kann deshalb Probleme aufweisen, die oft auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, sie aber so unzuverlässig machen, dass sie ihre Funktionsweise erheblich beeinträchtigen. So kann eine KI, die darauf trainiert wurde, Fotos von Hunden und Katzen zu erkennen, möglicherweise eine schwarze Katze auf einem Bild nicht erkennen, wenn im Trainingsdatensatz keine oder kaum Bilder von Katzen mit dunklem Fell enthalten waren.
Die Herausforderung für Roxane Jouseau besteht nun darin, ein Tool zu entwickeln, mit dem sich die Qualität solcher Daten bewerten lässt – und damit auch, ob sie sich für das Training von KI-Algorithmen eignen. Diese Aufgabe passt perfekt zu ihrer Persönlichkeit: Sie vereint die Präzision der wissenschaftlichen Methode mit der Kreativität, die nötig ist, um neue Ansätze und Lösungen zu entwickeln.
Selbst im letzten Jahr ihrer Promotion – einer Phase, die als besonders anstrengend gilt – findet die junge Frau noch Zeit für ihre Hobbys, insbesondere das Nähen. Der Mantel, den sie auf dem Foto trägt? Den hat sie selbst entworfen. Ob sie ihr weiteres Leben der Informatik (oder der Wissenschaft im Allgemeinen) widmen wird, weiß sie noch nicht. Sicher ist jedoch: Was auch immer sie tun wird – sie wird es mit Kunstfertigkeit tun.
Bildnachweis: Vincent Moncorgé
Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.
Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 05/03/2026
