Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!
[Porträt 19 – Véronique Genevois Gomendy, Bodenkundlerin und Kartografin]
Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/v%C3%A9ronique-genevois-gomendy
Véronique Genevois Gomendy ist Spezialistin für die Analyse der Bodenverteilung in Landschaften. An der Universität Clermont Auvergne vermittelt sie Studierenden die Grundlagen der Bodenkunde. Gleichzeitig stellt sie ihr Fachwissen verschiedenen Forschungseinrichtungen wie VetAgro Sup, INRAE, dem Institut Français de la Vigne et du Vin oder dem Parc des Volcans d’Auvergne zur Verfügung. Sie ist überzeugt, dass ein vertieftes Verständnis der Böden einer der Schlüssel zur Bewältigung des Klimawandels ist.
Manche Menschen haben den Kopf in den Wolken und blicken in die Ferne – Véronique Genevois Gomendy ist da eher bodenständig: Sie erforscht die Geheimnisse, die sich unter unseren Füßen verbergen.
Ihr Fachgebiet, die Bodenkunde, wurde 2023 offiziell als „seltene Wissenschaft“ eingestuft. In Frankreich lässt sich die Zahl der Fachleute, die dieses Fach an Hochschulen unterrichten, an einer Hand – genauer gesagt an einem Fuß – abzählen. Genevois Gomendy weiß, dass sie Glück hatte: Sie wurde zu einer Zeit ausgebildet, als das CNRS noch ein Zentrum für biologische Bodenkunde – an der Universität Lothringen – unterhielt. Ihre Leidenschaft entdeckte sie eher zufällig. Ursprünglich von der Archäologie angezogen, merkte sie bereits während ihres ersten Praktikums, dass nicht die Ruinen, sondern die Bodenschichten ihr Interesse weckten, die eine viel ältere Geschichte erzählen, die Tausende oder sogar Millionen von Jahren zurückreicht! Sie begeisterte sich für all diese Zeugnisse der Vergangenheit, aber auch für Pflanzen, Mineralien und Vulkane.
Was die Bodenkundlerin an ihrer Arbeit besonders liebt, ist, sich mit der Realität auseinanderzusetzen, die Auvergne zu durchstreifen und mit dem Schneckenbohrer in der Hand – wie auf dem Foto – Löcher zu graben. Wie eine Ermittlerin untersucht sie den Boden auf der Suche nach Hinweisen, die ihr helfen zu verstehen, wie sich Böden in Abhängigkeit von Geologie, Klima, Geomorphologie usw. verteilen. Anschließend kann sie Karten erstellen. In Verbindung mit Laboranalysen liefern ihre Untersuchungen wertvolle Informationen für Forschende und lokale Akteur*innen: Sie helfen zu verstehen, wie Böden Wasser speichern und bereitstellen – und wie sie als Reservoir der Biodiversität fungieren.
Besonders lebhaft erinnert sich Véronique Genevois Gomendy an ihre erste Bodenuntersuchung. Das war während ihres Masterstudiums in Avignon, und sie sollte die Auswirkungen von Waldbränden auf Böden analysieren. Sie hatte ihren Weg gefunden: Auf zu den Ackerflächen der Brie. Dort begann sie eine Doktorarbeit über die Entwicklung der physikalischen und hydrologischen Eigenschaften von Böden, d. h. den Zusammenhang zwischen Bodenstruktur und Wasserzirkulation und -speicherung. 1999 entschied sie sich, sich in der Nähe der Vulkane des Cantal niederzulassen. Damals interessierte sich kaum jemand für Böden, berufliche Perspektiven waren dürftig. Doch das schreckte die Wissenschaftlerin nicht ab: Sie gründete ein Büro für Boden- und Umweltanalysen, beteiligte sich an Ausschreibungen und nimmt Gutachtenaufträge an – parallel zog sie ihre beiden Kinder groß.
Zehn Jahre später setzte ein Umdenken ein: Der Klimawandel und seine Folgen rückten (endlich) ins öffentliche Bewusstsein. Die Naturgebiete mussten besser dokumentiert werden, und ab 2013 wurde das Fachwissen der Bodenkundlerin und Kartografin gefragt. Sie wurde mit der Leitung des Programms „Sols et Territoires d’Auvergne” von VetAgro Sup betraut. Ziel war es, eine umfassende Bodenkarte der Region zu erstellen. Im Rahmen dieses Projekts entstanden erste Karten der wichtigsten Bodentypen in den Départements Cantal, Puy-de-Dôme und Haute-Loire.
„Diese Arbeit ist von grundlegender Bedeutung”, erklärt sie mit Leidenschaft. „Im Zusammenhang mit Klimawandel, Ernährungssicherheit und Wassermanagement ist die räumliche Kenntnis der Böden ein zentrales Element. Sie ermöglicht es, ihre Nutzung zu optimieren, landwirtschaftliche Praktiken anzupassen und eine vernünftige und verantwortungsvolle Flächennutzungspolitik zu entwickeln.”
Bildnachweis: Vincent Moncorgé
Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.
Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 05/03/2026
