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Femmes & Sciences und das CNRS haben „La Science Taille XXElles“ ins Leben gerufen – mehrere Ausstellungen mit Porträts von Wissenschaftlerinnen, um deren Sichtbarkeit zu stärken und jungen Mädchen weibliche Vorbilder aufzuzeigen. Anlässlich der Ausweitung der Ausstellung nach Deutschland werden Auszüge der Ausstellung präsentiert. Entdecken Sie alle Porträts in der Französischen Botschaft in Deutschland bis zum 15. März 2026 sowie im Institut Français München vom 18. März bis zum 10. April 2026!

[Porträt 7 – Wassila Dali-Ali, Physikerin]

Um das Porträt auf Französisch zu lesen: https://www.femmesetsciences.fr/la-science-taille-xx-elles/wassila-dali-ali

 

Seit 2018 ist Wassila Dali-Ali Postdoktorandin am CRAL, dem Centre de Recherche Astrophysique de Lyon* (ENS de Lyon, Lyon 1, CNRS). Zuvor hatte sie in Algier Nuklearwissenschaften studiert, an der Universität Nizza in Astronomie mit einer Arbeit über die Modellierung atmosphärischer Turbulenzen promoviert und mehrere Postdoktorate im Bereich der Instrumentierung für die Astronomie absolviert.

Die Astronomie lässt Kinder träumen – sie hält Mädchen wie Jungen denselben Spiegel vor. Wassila Dali-Ali hatte das Glück, in Biskra, am Rand der algerischen Sahara, aufzuwachsen. Als leidenschaftliche Himmelsbeobachterin wollte sie alles verstehen, was sich am Himmel über der Wüste abspielt. „Meine Eltern leben immer noch dort”, erzählt sie. „In der Wüste, in den Oasen, schläft man im Sommer jede Nacht auf der Terrasse unter freiem Himmel. Als Kinder haben wir es geliebt, Sternschnuppen und Satelliten zu zählen.”

Heute ist Wassila Dali-Ali Spezialistin für astronomische Instrumentierung und arbeitet an einer neuen Methode der adaptiven Optik (AO), einer Technik, die der Astronomie spektakuläre Fortschritte ermöglicht hat: direkte Aufnahmen von Exoplaneten, Kartierung der Titanoberfläche oder der Untersuchung extragalaktischer Quellen. Diese Technologie wird in allen zukünftigen Riesenteleskopen vom Typ E-ELT (European Extremely Large Telescope) zum Einsatz kommen.

„Die größte Einschränkung unserer Instrumente ist heute nicht mehr die Größe der Spiegel“, erklärt Dali-Ali, „sondern die Atmosphäre. Astronomen haben diese Technik übernommen, mit der die atmosphärisch bedingten Bildverzerrungen in Echtzeit korrigiert werden können. Ein deformierbarer Spiegel kompensiert die Verzerrungen so genau wie möglich, indem seine reflektierende Oberfläche sich mit Hilfe von Aktuatoren verformen lässt.“ In der Forschungsgruppe des CRAL in Saint-Genis-Laval experimentiert Wassila Dali-Ali konkret mit dieser Technologie, sowohl auf der Ebene der Konzeption und der Komponententests als auch der Modellierung. Und da es um Spiegel geht – wie sieht es mit der gläsernen Decke aus? Warum ist es für Frauen so schwierig, in Führungspositionen aufzusteigen?

„Leider liegt das am fehlenden Selbstvertrauen“, meint Wassila Dali-Ali. „Es ist auch eine Frage der Ehrlichkeit: Frauen scheuen sich nicht zu sagen ‚Ich weiß nicht, ob ich das kann‘ oder ‚Ich traue es mir nicht zu‘, während Männer das nicht sagen. Das ist eine Form von Unehrlichkeit. Ich denke, dass Frauen in der Forschung seltener mit Hindernissen konfrontiert sind als in anderen Berufen. Trotzdem stoßen auch sie auf die gläserne Decke und sind in Führungspositionen unterrepräsentiert.“ Sie räumt ein: „Dank moderner Kommunikationsmittel sind die Arbeitszeiten heute flexibler, was insbesondere Frauen und Müttern zugutekommt. Die Wissenschaft muss sich dieser Realität anpassen.“ Wassila Dali-Ali geht daher jeden Morgen mit Freude zur Arbeit, um einen Spiegel zum Himmel zu richten und ein Stück Kindheitstraum lebendig zu halten.

Ihr Fachbereich in wenigen Worten:

Adaptive Optik ist eine Technologie, die die heutige Astronomie revolutioniert. Sie beschäftigt sich mit den optischen Begrenzungen von Instrumenten und entwickelt Verfahren zu deren Kompensation. Wassila Dali-Ali ist studierte Physikerin und hat sich auf die Untersuchung von atmosphärischen Turbulenzen und deren Auswirkungen auf die Qualität astronomischer Beobachtungen spezialisiert. Sie kam als Postdoktorandin zum CRAL, um an einer der OA-Techniken zu arbeiten, die für Riesenteleskope vom Typ VLT und E-ELT geeignet ist.

*Inzwischen hat Wassila Dali-Ali eine neue Stelle bei Akka Technologies in Toulouse angetreten.

 

Bildnachweis: Vincent Moncorgé

Übersetzungsnachweis: Übersetzer der Französischen Botschaft in Deutschland, Robert Balcke, Philippe Barbier, Hannah Hahn, Gilles Kirschke-Dréan, Jana Ulbricht.

Redaktion: SST, Noela Müller
Aktualisierung: 04/03/2026